Was kümmert uns Amerika?

Die Berichte aus den USA sind für deutsche Adoptiveltern zwar häufig in der Dimension extremer nicht aber prinzipiell anders als die aus Deutschland. Jeder von uns kennt Familien, in denen unbekannte Geschwister plötzlich auftauchten, sich tot geglaubte Eltern meldeten oder das Alter von Kindern nach unten manipuliert wurde.

Adoptionsbewerber sollten nicht glauben, dass dieses amerikanische Probleme sind, die bei uns nicht vorkommen. Durch die große Nachfrage aus den USA sind in Äthiopien Strukturen entstanden, in denen Kinder aktiv und teilweise unter dem Einsatz krimineller Methoden zu Sozialwaisen gemacht werden, um sie ins Ausland zu vermitteln. Dabei ist das primäre Motiv vieler Beteiligter ein finanzielles, kein humanitäres. Kann man sich in einem solchen Umfeld ethisch verhalten? Das ist sehr schwer, denn prinzipiell muss jedem Dokument und jeder Aussage vor Gericht misstraut werden.

Sollte man unter diesen Bedingungen von Adoptionen aus Äthiopien abraten? Wir sind vorsichtig mit vorschnellen Urteilen. Es gibt hilfebedürftige Kinder in Äthiopien, denen mit einer Adoption geholfen wird. Es gibt auch weiterhin Adoptionen, die ethischen Standards entsprechen. Klar ist jedoch, dass sich auch in Deutschland das Vermittlungsverfahren ändern muss. Die Dokumentation der Herkunft der Kinder muss verbessert werden und die Zusammenarbeit mit unzuverlässigen Heimen muss aufgegeben werden.

Finanzielle Interessen und Geldflüsse müssen transparenter gestaltet und die Kommunikation und Rechenschaft über Praktiken der Vermittlung gegenüber den Adoptiveltern und Gerichten muss gestärkt werden. Alle Beteiligte müssen sich offen und transparent mit den Problemen auseinandersetzen. Die vom amerikanischen Außenministerium organisierte öffentliche Debatte ist der richtige Schritt. Auch bei uns wäre eine größere öffentliche Diskussion wünschenswert- das Thema betrifft auch uns.

Eltern für ethische Auslandsadoptionen (www.ethischeadoptionen.org)
7. Februar 2011