Dies ein Text einer jungen Erwachsenen, die als eine der ersten Kinder aus Äthiopien nach Deutschland adoptiert wurde.

 

Adoptierte Kinder sind gekaufte Kinder...

aber: Kinder sind unbezahlbar

Je nach dem, wo man ist, wird man von Fremden angeschaut, manchmal sehr auffällig, manchmal unauffällig. In kleineren Dörfern sind die Blicke häufiger, da man es dort nicht so gewöhnt ist, dunkelhäutige zu sehen, In den Großstädten, wie z.B. Frankfurt fällt man als dunkelhäutige nicht auf.

Aber überall wollen viele die Haare anfassen, besonders wenn man natürliches krauses Haare hat, die nicht geglättet, eingeflochten sind. Oft merke ich in den Straßenbahnen, dass jemand an meinen Haaren ist, so etwas ist schon nervig, aber leider nicht zu verhindern. Kinder, die selten dunkelhäutige sehen, kommen oft interessiert und stellen viele Fragen. Sie fassen alles ungläubig an um zu sehen, ob nur Hände und Gesicht dunkel sind oder auch der restliche Körper, und stellen dann immer wieder fest, dass die Haut sich nicht anders anfühlt als bei anderen. Immer wieder erstaunlich für Kinder ist, dass die Handflächen hell sind und dass trotz intensivem Reiben die „Farbe“ nicht abgeht.

Wenn man sich mit Erwachsen unterhält und sie erfahren, dass man adoptiert ist, kommt häufig die Frage, ob ich meinen Eltern dankbar bin, dass sie mich nach Deutschland geholt haben und mir dadurch ein besseres Leben bieten können. Natürlich haben wir in Deutschland bessere Möglichkeiten, aber ich denke nicht, dass wir dafür dankbar sein müssen. Denn jedes Kind ist ein Wunschkind, gewollt und bedingungslos geliebt von den Eltern, ohne dass es dankbar sein müsste oder sonstiges tun müsste, um zur Familie zu gehören.

 

Siehe auch Wurzelsuche.