Dies ein Text einer jungen Erwachsenen, die als eine der ersten Kinder aus Äthiopien nach Deutschland adoptiert wurde.

 

Wurzelsuche

Wo bin ich zuhause?

Heimat ist nicht geographisch festgelegt, Heimat trägt man in sich.

Ich finde es sehr wichtig, dass versucht wird, die Herkunftsfamilie zu finden und Kontakt zu halten. Auch wenn es keine Verwandten mehr gibt, kann man dann wenigsten den Kindern zeigen, dass man gesucht hat, und die Unterlagen zeigen, die man finden konnte.

Ich finde es sehr schade, dass es von mir keine Informationen gibt, da es damals eine der ersten Adoptionen aus Äthiopien war und in Äthiopien Dokumente, wie man sie heute kennt, noch nicht vorhanden waren. Ich hätte gern mal Bilder von meiner leiblichen Familie gesehen. Und die Suche hatte bei mir keinen Erfolg, da es zu lange her ist und Mitarbeiter im Heim von damals nicht mehr da sind.

Trotzdem würde ich jedem raten, der die Möglichkeit dazu hat, die Herkunftsfamilie zu besuchen und den Kontakt zu halten (und sei es jährlich mal ein Brief mit Bildern) und den Kindern bei Nachfragen alles zu zeigen. Sie können dann später selbst entscheiden, ob sie mehr Kontakt haben und die Familie besuchen wollen.

Bereits vor der Adoption ist es wichtig, dass sich die Eltern mit dem Land auseinandersetzen und Information über die Herkunft suchen und aufbewahren. Es gibt immer eine Zeit, in dem Nachfragen kommen, und dann ist es immer gut, wenn man die Informationen zeigen kann (je nach Alter des Kindes) auch wenn es immer wieder die selben Fragen sind, aber das gibt einem als Kind dann das Gefühl, ernst genommen zu werden und hilft bei der Suche nach der eigen Identität.

Ich habe mit meiner Familie eine Rundreise durch Äthiopien gemacht, das finde ich sehr wichtig, dadurch hatte jeder von uns die Möglichkeit, sich mit dem Ursprung, den Traditionen etc. vertrauter zu machen. Aber jeder ist unterschiedlich, und eine Reise sollte nie gegen den Willen des Kindes geschehen.



 

Siehe auch Blicke, Fragen, Reaktionen.