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Die Diskussion in den USA

Die Diskussionen über die Einhaltung ethischer Standards aus Äthiopien nehmen in den USA an Schärfe zu. Wir dokumentieren an dieser Stelle die wichtigsten Entwicklungen und Positionen. Einen Kommentar aus Sicht deutscher Adoptiveltern findet man hier.

 

Petition an den JCICS

Mittlerweile gibt es eine Petition an den JCICS, mit der sich Eltern und andere Interessierte und Aktivisten gegen die Kampagne des JCICS wenden. Darin wird der JCICS an die Grundwerte der Haager Konvention erinnert und dafür plädiert, der äthiopischen Regierung bei der Umsetzung besserer Verfahrensregeln und Antikorruptionsmaßnahmen konstruktiv zu helfen, anstatt einseitig zur Beschleunigung der Gerichtsverfahren Druck auszuüben.

 

Stakeholderkonferenz

Am 11. März 2011 berief das amerikanische Außenministerium eine Stakeholderkonferenz zur Situation in Äthiopien ein. Der Dachverband der Vermittlungsstellen JCICS berichtet in seinem blog über die Diskussionen. Danach hat die amerikanische Botschaft am Montag, den 14. März 2011 einen Gesprächstermin mit MOWA. Das Außenministerium geht von einer Verzögerung von Gerichtsentscheidungen um ein Jahr aus. Derzeit sind zwischen 800 und 1000 Fälle bei äthiopischen Gerichten anhängig.

Die amerikanische Elternorganisation PEAR hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, die auf folgende Punkte hinweist:
1) dass der Adoptionsprozess in Äthiopien derzeit von unethischen Praktiken durchsetzt ist und es fast unmöglich ist, ethische von unethischen Adoptionen zu unterscheiden;
2) dass MOWAs Entscheidung, gegen Korruption vorzugehen, unterstützt und respektieren werden sollte;
3) dass 5 ethische Adoptionen besser sind als 40 fragwürdige;
4) dass Adoptiveltern sich nicht auf die Seite von Vermittlungsagenturen schlagen sollten, die oftmals nur ihre eigenen Interessen vertreten.
Die Stellungnahme schliesst mit der Aufforderung, die Rechte und Interessen der Kinder über den eigenen Kinderwunsch zu stellen.

 

Lobby des JCICS

Ein Bericht der Voice of America vom 04. März 2011 über eine Entscheidung des äthiopischen Familienministeriums, die Zahl der Adoptionen per Dekret drastisch zu reduzieren, hat in den USA starke Reaktionen hervorgerufen. Das Ministerium hat verfügt, statt der bislang bis zu 50 Adoptionsverfahren am Tag in Zukunft nur noch 5 täglich zu bearbeiten. Als Begründung wurde angegeben, das Verfahren vor Missbrauch und Korruption zu schützen.

Der Dachverband der amerikanischen Vermittlungsagenturen JCICS nannte daraufhin in einer Stellungnahme die Pläne des Ministeriums "eine tragische, unnötige und unverhältnismäßige Reaktion auf Bedenken im Hinblick auf vereinzelten Missbrauch des Adoptionsverfahrens, die den überwiegend positiven, ethischen und legalen Dienst für Kinder und Familien durch Auslandsadoptionen nicht angemessen widerspiegelt." Das JCICS hat zudem Eltern aufgerufen, Fotos und Familienberichte einzureichen, die an das Ministerium weitergereicht würden. Es plant nun eine Kampagne zum Widerruf der Entscheidung. Die Petition wurde in kürzester Zeit von 11.000 Aktivisten unterzeichnet.

Der JCICS gilt nicht als Vorkämpfer für mehr Ethik in Auslandsadoptionen. In seinem Bericht über Adoptionen aus Äthiopien für das Jahr 2010 verzichtete das JCICS darauf, sich mit den Missbrauchsvorwürfen durch amerikanische Vermittlungsstellen konkret auseinanderzusetzen sondern verwies allgemein auf einen Verhaltenskodex sowie ein Beschwerdeverfahren.

 

Konferenz des State Departments am 24. Januar 2011

Am 24. Januar 2011 veranstaltete das US amerikanische Außenministerium eine Telekonferenz mit dem Titel: Ethiopia, a New Adoption Agenda. Das Ziel der Konferenz war es Beteiligte an Adoptionen aus Äthiopien zusammen zu bringen, bedenkliche Entwicklungen zu diskutieren und gemeinsame Lösungen zu finden. Das Protokoll der Konferenz wird auf der Webseite des Ministeriums veröffentlicht werden (www.adoption.state.gov).

Ethica, die Lobbygruppe für ethische Adoptionen in den USA, hat bereits eine Mitschrift ins Internet gestellt. Danach berichtet die amerikanische Botschaft in Äthiopien, dass in 90% der Adoptionen fragwürdige Papiere vorliegen, die weitere Nachforschungen erfordern würden. Das äthiopische Justizministerium plant 50 der 200 bestehenden Waisenhäuser zu schließen.

Die amerikanische Elternorganisation PEAR nahm an der Konferenz teil. In einer Stellungnahme auf ihrer Webseite berichteten Elternvertreter, dass sie einerseits beeindruckt waren, dass das Außenministerium vorbeugend aktiv wird, um transparente und ethische Adoptionen zu ermutigen. Andererseits waren die dort berichteten Themen sehr ernst. Das Außenministerium wird in Kürze einen Aktionsplan mit Sofortmaßnahmen veröffentlichen. PEAR ruft betroffene Eltern dazu auf, sich an der Diskussion zu beteiligen (reform@pear-now.org). PEAR hat zudem einen eigenen Maßnahmenkatalog für zukünfte Adoptiveltern veröffentlicht.

Bereits im Dezember 2010 hatte das amerikanische Außenministerium vor Adoptionen aus Äthiopien gewarnt.

 

Debattenbeiträge auf amerikanischen Blogs

Viele Adoptiveltern und –interessenten haben das Buch „Alle meine Kinder“ von Melissa Fay Greene gelesen. Die US-amerikanische Autorin, die selbst 3 Kinder aus Äthiopien adoptiert hat, zeichnet darin ein Porträt von Haregewoin Teferra und ihrem Einsatz für äthiopische Waisenkinder.

Mit diesem Beitrag – im Original hier nachzulesen - nimmt sie zu einer Debatte Stellung, die angesichts von Korruption und Urkundenfälschungen bei Adoptionsverfahren zur Zeit in den USA geführt wird. Sie berichtet darin u.a., wie sie selbst Opfer von falschen Angaben und Urkunden geworden ist, und sie vertritt die Auffassung, dass Internationale Adoption aus nach wie vor sinnvoll und auch nach ethischen Gesichtspunkten möglich ist.

Der Blog beginnt mit der Begründung, warum eine Familie heute nicht noch einmal aus Äthiopien adoptieren würde. Der Beitrag und die Reaktion spiegeln die Diskussion in den USA gut wieder.