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Eine Familie werden

Ethische Fragen stellen sich nicht nur im Vorfeld einer Adoption. Auch im Zusammenleben mit adoptierten Kindern und in der Auseinandersetzung mit dem täglichen Umfeld tauchen Probleme auf, die an ethische Grundsätze rühren. Oft ist es dabei schwierig, zu eindeutigen Entscheidungen zu kommen.

 

  • Unklarheiten im Adoptionsverfahren wirken sich auf das spätere Zusammenleben als Familie aus. Professionelle Unterstützung kann hier in gewissen Grenzen Heilungsmöglichkeiten anbieten.
  • Die Lebensläufe adoptierter Kinder sind häufig lückenhaft. Therapie und Biographiearbeit können dazu beitragen, diese Löcher zu füllen und müssen dabei ein Gleichgewicht zwischen faktischer Wirklichkeit und emotionaler Wahrheit finden.
  • Adoptierte Kinder haben oft eine Tendenz, ihre Vergangenheit zu "vergolden". Auch hier suchen wir einen Weg zwischen Wahrheit und Wirklichkeit.
  • Das Kind soll eine neue Heimat finden und gleichzeitig seine Herkunft nicht verleugnen müssen. Beide Tendenzen können in einen Konflikt führen.
  • Die Suche nach Wurzeln und der Kontakt mit den leiblichen Eltern können von Ängsten begleitet sein. Erfahrungsberichte können sich als hilfreich erweisen, hier eine stimmige Haltung zu entwickeln.
  • Mein Kind sagt "Du bist ja gar nicht mein/e Mutter/Vater?" Recht hat es - und zugleich auch nicht. Eine angemessene Reaktion darauf ist zunächst schwer zu finden.
  • Ein Kind ist von seinen Eltern verlassen worden, tief in seinem Vertrauen verletzt und nunmehr misstrauisch gegenüber einer neuen Familienstruktur. Hier fällt es schwer, die leiblichen Eltern zu ehren. Womöglich ist das auch keine Hilfe für das Kind.
  • Kindeswohl und Kindeswille sind häufig nicht kongruent - zumindest aus Elternsicht. Auch unter ethischen Gesichtspunkten sind nicht immer eindeutige Entscheidungen möglich.
  • Adoptierte Kinder treten in Konkurrenz zu leiblichen Kindern. Ihre Forderung nach Gleichbehandlung ist berechtigt, kann aber mitunter als maßlos und nicht zubefriedigen empfunden werden. Umgekehrt können leibliche Kinder die Fürsorge fürdas adoptierte Kind als Liebesentzug ansehen.
  • Adoptivkinder sind auf vielfältige Weise mit ihrem Anderssein konfrontiert. Ein angemessener Umgang damit und die Abgrenzung zu Rassismus, auch zu positivem Rassismus, sind eine Herausforderung für Familie und das weitere Umfeld.
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Diese Aufzählung wird hier sicher noch fortzuschreiben sein. Darüber hinaus wird es an dieser Stelle Raum für Informationen über Nachbetreuungsangebote geben, außerdem Hinweise auf (möglicherweise) hilfreiche Literatur. Dabei wird auch die Rolle von Jugendämtern und Vermittlungsstellen zur Sprache kommen. Nicht zuletzt sollen Erfahrungsberichte anderer Adoptiveltern eine Orientierungshilfe bieten. Eine Adoption ist schließlich nicht mit dem Gerichtsbeschluss vollzogen, sie ist vielmehr ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht und ein ganzes Leben bestimmen kann.

 

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