2009 - Ein Jahr der Skandale

Am 29. Dezember 2009 warnte die amerikanische Elterninitiative Parents for Ethical Adoption Reform (PEAR) auf ihrer Website Adoptionsbewerber vor einer Adoption aus Äthiopien. Zu viele Skandale hatten sich 2009 in äthiopischen Adoptionsverfahren ereignet, um sich noch mit ruhigem Gewissen als Bewerber darauf einzulassen. Prospektive Eltern sollten sich zumindest eine Alternative überlegen. Der Grund waren die anhaltenden Berichte über zweifelhafte Adoptionen aus Äthiopien:

Im Januar 2009 wurde der Fall zweier Kinder in Niederösterreich bekannt, die als verwaistes Geschwisterpaar an eine Familie durch die Vermittlungsstelle family for you vermittelt wurden. Das Mädchen war 14 als sie vermittelt wurde und wurde als 8Jährige ausgegeben; der Junge sollte ihr Bruder sein. Beides war falsch. Die Mütter hatten von dem Repräsentanten der Vermittlungsstelle in Äthiopien Geld erhalten. Das Mädchen lebt mittlerweile in einem Heim in Österreich. Die Vermittlungsstelle family for you ist in Konkurs. Österreich hat Vermittlungen aus Äthiopien gestoppt.

 

Im März 2009 berichtete der kanadische Sender CBC über die Erfahrungen mehrere kanadischer Familien. Sie hatten Kinder als angebliche Waisen adoptiert. Als die Kinder genug Englisch gelernt hatten, berichteten sie über ihre Familien und lebenden Eltern. Die Adoptiveltern stellten Nachforschungen an und fanden in der Tat tot geglaubte Mütter. Die Mütter hatten der Adoption zugestimmt. Die Adoptiveltern fühlten sich hintergangen und getäuscht. Eine Adoptivmutter beschrieb ihre Haltung: „Ich glaube, dass eine internationale Adoption die letzte Option für ein Kind sein sollte. Wenn es andere Mittel gibt, um ein Kind in ihrem Heim und ihrem Land zu belassen, dann sollte man diese ergreifen."

Im September 2009 strahlte der australische Sender ABC den Film „Fly away children“ aus. In dem Film wird die amerikanische Vermittlungsstelle CWA beschuldigt, über Mittelsmänner (und Frauen) in äthiopischen Dörfern Familien zur Abgabe ihrer Kinder aufzufordern. In dem Film berichten amerikanische Adoptiveltern über Kinder mit ernsten Erkrankungen, die in dem Gesundheitsbericht nicht angegeben waren. Ein sehr bewegender Fall beschreibt eine Familie mit einem Adoptivkind, das aufgrund schwerer Krankheiten eine verkürzte Lebenserwartung hat. Die aufgelöste Mutter berichtet vor der Kamera, dass sie in den Jahren zuvor ein schwer krankes Pflegekind bis zu seinem Tod gepflegt hatte. Sie hatte sich bewusst für ein gesundes Adoptivkind entschieden. Sie sei sich nicht sicher, ob ihre Familie den Tod eines weiteren Kindes verkraften würde.

Ebenfalls im September stellte die niederländische Vermittlungsstelle Wereldkinderen vorübergehend Vermittlungen aus Äthiopien ein, da Berichte über den Missbrauch des Systems durch die äthiopische Regierung und örtliche Adoptionsagenturen sich mehrten. Zur gleichen Zeit forderte eine Initiative spanischer Adoptiveltern (CORA) die Aussetzung von Vermittlungen aus Äthiopien angesichts schwerwiegender Anschuldigungen von spanischen Eltern.

Im Dezember setzte Australien Auslandsadoptionen aus Äthiopien zeitweilig aus. Zuvor war bereits seit Jahren von Fällen berichtet worden, in dem die Herkunftsangaben der Adoptivkinder sich als falsch heraus stellten. Auf Beschwerden der Eltern wurde eine Untersuchung veranlasst, deren Bericht im März 2010 veröffentlicht wurde. Von den 117 untersuchten Adoptionen zwischen 2002 und 2004 wurden 44 beanstandet. In 10 Fällen war die Herkunftsgeschichte falsch, in 9 Fällen wurden bislang nicht bekannte Geschwister gefunden und weitere Verwandte in 5 Fälle. In 25 Fällen war das Alter nicht korrekt angegeben, in 8 war der Gesundheitszustand nicht zutreffend. Die Familien hinterfragten „die Integrität des Programms und des Prozesses wie Kinder für Auslandsadoptionen vermittelt würden.“

In Äthiopien selbst versuchte man der Situation Herr zu werden. Das zuständige Ministerium stoppte am 26. Mai 2009 vorübergehend die Adoptionsverfahren aufgefundener Kinder in Addis Abeba aufgrund stark steigender Zahlen von verlassenen Kindern.

Im April 2010 beschloss das äthiopische Ministerium, dass alle Adoptiveltern zum Gerichtstermin erscheinen müssten. Zudem entzog es 9 Waisenhäusern die Lizenz. Innerhalb der äthiopischen Regierung gibt es große Meinungsunterschiede zur Rolle internationaler Adoptionen. Nicht alle sind mit dem derzeitigen System einverstanden. Gleichzeitig steckt die Unterzeichnung der Haager Konvention im Parlament fest.

 

Zurück