Begriffsdefinitionen

Child Trafficking" (Kinderhandel) und "Laundering" (Kinderwäsche) sind Begriffe, die im Zusammenhang mit Internationalen Adoptionen gebraucht werden. Je nach Überzeugung und Zielrichtung gebrauchen sie manche Gruppen synonym oder in begrifflichen Überschneidungen für den Prozess der Internationalen Adoption.

 

Internationationale Adoptionen

Die Definition der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption für den Begriff "Internationale Adoption" lautet: Eine Adoption ist die Schaffung eines Abstammungsverhältnisses durch einen Rechtsakt und kann auf einem Vertrag oder einer Entscheidung eines Gerichts oder einer Verwaltungsbehörde beruhen. Sie verändert die ursprüngliche biologische Herkunft eines Menschen und damit auch seine Identität und bedeutet somit einen schwerwiegenden Eingriff in seine Individualität und Persönlichkeit und damit auch in seine Grundrechte. Zweck der Adoption eines Kindes ist, bei Totalausfall der leiblichen Eltern dem Kind Sicherheit und Kontinuität in einer neuen Familie zu bieten.

Hier sind bereits in der Definition des Begriffes "IA" zwei wesentliche Gesichtspunkte angesprochen, die Kritiker zum Anlass nehmen, die Praxis der Adoptionsvermittlung in den Blick zu nehmen: "Die Beeinträchtigung der Grundrechte des Kindes" spricht die Gefahr an, dass ein Kind im Verlauf seiner Adoption ein Identitätsgefühl in vielerlei Hinsicht nicht entwickeln oder wahren kann und eröffnet die Frage, inwieweit der Prozess der Internationalen Adoption es an sich bereits voraussetzt, dass dieser Verlust implizit geringer geschätzt wird als der von materieller Sicherheit. Der "Totalausfall der leiblichen Familie" ist definitionsbedürftig: Beginnt er bei Unfähigkeit zur Erziehung oder bei Tod oder tödlicher Erkrankung? Wie weit reicht die Familie?

Mit dieser Art der Fragestellung und Argumentation vernachlässigt der Kritiker zunächst den Kontext der zugrunde liegenden Definition: Sie erklärt ein Rechtsverhältnis und keine praktischen Verfahrensfragen. Es geht hier zunächst darum, welche Güter eine richterlich entscheidende Instanz letztlich abwägen muss, wenn sie eine Adoption ausspricht oder bestätigt.

Ein Thesenpapier des Schweizer Internationalen Sozialdienstes geht einen anderen Weg bei dem Versuch, jene zu Grunde liegenden ethischen Prinzipien zu definieren, die eine Adoption bestimmen müssen. Man beruft sich dabei auf die Kinderrechtskonvention der UN, welche hier Stellung bezieht:

a- Die Adoption ist keine Übereinkunft zwischen Einzelpersonen. Sie ist eine gesetzliche und soziale Maßnahme zum Schutze des Kindes und darf nur unter diesem Gesichtspunkt erwogen und gestattet werden. Der Staat hat die Verpflichtung über die Einhaltung dieses Grundsatzes zu wachen.

b- Eine Adoption muss allen Kindern ermöglicht werden, deren persönliche und familiäre Lage diese rechtfertigt, ohne Rücksicht auf ihre soziale Lage, Rasse, Volkszugehörigkeit, Kultur, physische oder geistige Gesundheit.

Versteht man in dieser Weise Adoption als ein Recht des Kindes, so kann es in der Folge nurmehr um eine Hierarchie der Schritte gehen, welche zur Feststellung führen, unter welchen Umständen dieses Recht in Anspruch zu nehmen ist. Hier gilt:

"Zugunsten einer internationalen Adoption sollte erst dann entschieden werden, wenn alle Bemühungen, eine für das Kind befriedigende Lösung im Heimatstaat zu finden, erfolglos geblieben sind. Die zuständigen Behörden haben darauf zu achten, dass es dabei zu keinen unnötigen Verzögerungen kommt.“

Auf diesen Artikel aus der Kinderrechtskonvention sind alle Beteiligten an einer Auslandsadoption verpflichtet. Es versteht sich aus der Argumentation von selbst, dass nicht die Familien, die ein Kind suchen, sondern immer das Kind im Fokus aller Bemühungen zu stehen hat. Fraglich ist hier jedoch, was eine "befriedigende Lösung" im Herkunftsland darstellen könnte und wann "alle Bemühungen", eine Lösung zu finden, als erschöpft gelten können.

Beiden Definitionen ist es gemeinsam, dass sie vom juristischen Konstrukt einer Adoption ausgehen, der allerdings im Leben der Familien nur bis zu dem Zeitpunkt eine Rolle spielt, an dem das neue Kind per Gerichtsbeschluss "in die Familie geboren" wird. Dabei wirken die Rechtsorgane beim Prozess der Aufnahme zusammen; nach der Adoption gilt das Rechtsverständnis des aufnehmenden Staates.

Die sozialen Umstände der Adoption lassen sich kaum in einer vergleichbaren Weise definieren, bestimmen jedoch in ihren Auswirkungen ganz wesentlich die konkrete Biographie jedes einzelnen Kindes.

 

Kinderhandel

Bei dem Begriff " Kinderhandel" handelt es sich um einen aus der Gruppe "Menschenhandel". Dieser wird aus drei Bestandteilen konstituiert: -ein Verbringen oder Transportieren; - unter Zwang oder Vorspiegelung falscher Tatsachen; - zum Zweck der Ausbeutung.

Alle diejenigen Arbeiten, die sich auf die UN-Charta der Menschenrechte (ZP-Menschenhandel. Konvention und Zusatzprotokoll vom. Dezember 2000) stützen, schließen aus grundsätzlichen Erwägungen Adoptions- und Heiratsvermittlungen aus dem Defintionsbereich "Menschenhandel" aus, da der Bereich der Familie keinen Ausbeutungskontext eröffnet.

Denn mit dem gesunden Menschenverstand gedacht ist das Gegenteil von Ausbeutung das Ziel einer Adoption: Beabsichtigt ist eine Verbesserung der Lebenssituation des betroffenen Kindes.

Als ein den aktuellen Gegebenheiten im Zusammenhang mit internationaler Adoption angepasstes Rechtsinstrument gilt nach David Smolin die Bestimmung des Zusatzprotokolls zur UN-Konvention für Kinderrechte, die bestimmte Handlungen unter Strafe stellt.

Nach diesem Ansatz werden Handlungen, die Bestimmungen der Haager Konvention zum Schutz von Kindern verletzen, indem sie beinhalten, "dass ein Mittelsmann die Zustimmung zur Adoption erwirkt" und die "Entlohnung oder Vergütung" im Zusammenhang mit dem Wegbringen des Kindes steht. Dabei heißt "Vergütung", dass den Abgebenden finanzielle Vorteile für den eigenen Gebrauch entstehen; alle anderen finanziellen Transferleistungen (beispielsweise Kompensationszahlungen, Kostenerstattungen) sind ausgeklammert.

Hierbei entsteht die Schwierigkeit, dass, wenn solche Kompensationszahlungen an ein Land mit einem extrem niedrigen Bruttosozialprodukt geleistet wurden, das Wohlstandsgefälle durch die Hintertür den Verdacht des Handels wieder zulässt, insbesondere, wenn aus bestimmten Heimen des Herkunftslandes diejenigen Repräsentanten von Aufnahmeländern ausgesucht werden, die die höchsten Kompensationszahlungen leisten, oder wenn Repräsentanten von Organisationen des Herkunftslandes dafür bezahlt werden, diesen adoptierbare Kinder zuzuführen. Leider, so vermerkt Smolin, sind diese kritischen Bereiche weder in der Theorie noch in der Praxis zureichend bedacht, um einen rechtlich durchsetzbaren und wirksamen Schutz vor potentiell ausbeuterischen Praktiken im Zusammenhang mit Adoptionen zu gewährleisten.

Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es wichtig, nicht nur auf eine Verbesserung der rechtlichen Bestimmungen zu drängen, sondern, bis hier eine weitere Klärung herbeigeführt ist, auf völliger Transparenz aller finanziellen Transaktionen im Zusammenhang mit der Vermittlung eines Kindes.

 

Kinderwäsche

Child Laundering oder „Kinderwäsche“ bezeichnet dem Vernehmen nach eine Veränderung in den Papieren eines Kindes, die dazu führt, dieses Kind adoptierbar zu machen - sei es, indem sein Alter verändert wird, sei es, indem die Umstände seiner Abgabe nicht wahrheitsgemäß dokumentiert werden. Viele an der Adoption Beteiligten, seien es Eltern, seien es Agenturen, sehen eine derartige Verfahrensweise als möglicherweise illegitim, aber dennoch moralisch vertretbar an: Auf diesem Weg gelinge es immerhin, einem Kind einen Weg in eine neue Familie zu eröffnen, dem sonst jede Möglichkeit dazu verwehrt geblieben wäre. Denn streng betrachtet, so die entschuldigenden Stimmen, haben diese Veränderungen nicht mit einem finanziellen Gewinn, sondern mit dem Wohl des Kindes, das ansonsten im Elend leben müsste, zu tun.

David Smolin, der bereits zur Definition von Kinderhandel zitiert wurde, sieht das ganz anders: Für ihn ist genau dieses Prozedere eine Art der Ausbeutung von Kindern; und indem er es so beschreibt, rechnet er nun einen Großteil der Adoptionen dem Bereich „Menschenhandel“ zu.

Offenbar leidet auch diese Diskussion darunter, dass keine Kriterien dafür vorliegen, unter welchen Umständen oder ab welchen Zahlen man von „laundering“ als einem systematischen Vorgehen mit finanziellen Interessen im Hintergrund sprechen muss; die Vielzahl der in letzter Zeit dokumentierten Fälle legt es jedenfalls nahe, dass hier neben der Philantropie in der Praxis durchaus andere Gesichtspunkte eine Rolle spielen.