Problem oder Lösung?

Auslandsadoption stehen im Spannungsfeld der Rechte des Kindes einerseits und der oft schwachen Verwaltungsstrukturen der abgebenden Länder andererseits. Das Recht des Kindes bewertet die Aufnahme elternloser und verlassener Kinder in eine Familie als höher als die Heimunterbringung. Auf dieser Bewertung basiert das Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und der Zusammenarbeit im Bereich der Adoption. Das Haager Übereinkommen wurde 1993 verabschiedet, um den zuvor hauptsächlich auf bilateraler oder privater Basis vollzogenen Auslandsadoptionen eine internationale rechtliche Fundierung zu geben.

Gleichwohl gibt es weiterhin problematische Aspekte in den Verfahren der Auslandsadoptionen sowie eine hitzige Diskussion über ethische Verfahren und Standards in der Auslandsadoption. Die Positionen reichen von der grundsätzlichen Ablehnung von A(uslandsa)doptionen bis zu Plädoyers für eine aktivere Politik der Befürwortung. Gegner der Auslandsadoption betonen die Gefahr des Kinderhandels, die durch finanzielle Anreize in der Auslandsadoption entsteht bzw. vergrößert wird. Sie verweisen auf die Vielzahl der Beispiele korrupter Praktiken in Adoptionsverfahren, die von gefälschten Dokumenten bis zur Kindesentführung reichen.

 

Befürworter der Auslandsadoption sehen in der Adoption eine Einzelfallhilfe für Kinder, die bereits verlassen oder verwaist sind und für die es ansonsten keine Alternative zu einer dauerhaften Heimunterbringung gibt. Es gibt eine breite wissenschaftliche Literatur, die die positiven Verläufe von Auslandsadoptionen belegen. Für das einzelne Kind ist eine Adoption in fast allen Fällen besser als nicht adoptiert zu werden.

Die Spannung zwischen Kindeswohl und Korruption kann nur durch eine umfassende Verbesserung der Vermittlungsverfahren aufgehoben werden. Die Haager Konvention ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Sie verlangt die Akkreditierung der Vermittlungsagenturen und die Einhaltung bestimmter Standards durch die Regierungen in den Herkunftsländern. Die Umsetzung der Erfordernisse der Haager Konvention erfolgt jedoch nicht immer mit der notwendigen Sorgfalt. Im Fall von Äthiopien ist die Ratifizierung des Haager Übereinkommens noch nicht erfolgt.

Man kann davon ausgehen, dass diese Problematik den international tätigen Organisationen bekannt ist – mit unterschiedlichen Konsequenzen. Manche (etwa 'terre des hommes’) haben sich vollständig aus der Adoptionsvermittlung zurückgezogen.

Eine ganze Reihe von Vermittlungsstellen hat sich 1993 zur EurAdopt zusammengeschlossen. Mit Blick auf das im gleichen Jahr unterzeichnete Haager Adoptionsübereinkommen haben sie in einer Selbstverpflichtung Verfahrensgrundsätze und ethische Standards formuliert. Inzwischen umfasst die EuroAdopt- Gruppe 29 Mitglieder aus 12 europäischen Ländern.