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Rassismus

Schwarzsein und Rassismus sind meistens Themen, die abstrakt im Raum stehen aber konkret schwer zu handhaben sind. Im Alltag möchten Eltern wie Kinder gerne den Unterschied in den Hautfarben vergessen und thematisieren das Anderssein nicht oder nur vordergründig positiv. Manche Kinder glauben, dass im Laufe der Zeit die weiße Hautfarbe der Eltern auf sie abfärbt bzw ihre Haut heller wird, weil in Europa die Sonne nicht so sehr scheint. Andere Kinder streiten sogar ab, dass sie dunkelhäutig sind und bestehen darauf, weiß zu sein. Manche Kinder lehnen intuitiv den naiven Multikulturalismus ab, den Eltern so häufig anwenden, um das Thema zu umgehen.

Kinder spüren gleichwohl die gesellschaftliche Bedeutung hautfarbenbezogener Unterschiede. In Äthiopien ist - wie in Deutschland auch - eine hellere Hautfarbe ein Symbol gesellschaftlicher Überlegenheit. Solange die Kindern fast ausschliesslich mit den Eltern unterwegs sind, werden sie nur selten abfällige Bemerkungen oder unpassende Fragen hören. Sie werden als Weiße behandelt und die Hautfarbe der Eltern färbt tatsächlich auf sie ab. Werden sie älter und treten alleine auf, dann wendet sich das Blatt. Im Geschäft werden sie misstrauisch beäugt, in der Bahn eher auf ihre Fahrkarte überprüft oder auf der Straße von der Polizei angesprochen. Dann sind sie schwarze Jugendliche in einem weißen Land.

Die Kinder sind sich ihres Aussehens und der Reaktionen, die es hervorruft, sehr bewusst. Es sind die Eltern, die sich häufig etwas vormachen, da ihnen Rassismus selbst nur selten begegnet. Sie schulden ihren Kindern eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema, nicht nur um den Kindern zu helfen, sich gegen Diskriminierung zu wehren sondern auch um selbst zu erfahren, welche Rolle Rasse und Hautfarbe spielen. Eine internationale Adoption ändert die kulturelle Identität einer Familie für immer. Eine gute Hilfestellung bietet das Handbuch für bikulturelle Familien von John Raible, Aktivist und Experte für bikulturelle Adoptionen. Er fordert Adoptiveltern auf, Rassismus aktiv zu konfrontieren, ihre Kinder auf ein Leben in einer rassenbewussten Gesellschaft vorzubereiten und statt farbenblind farbenbewusst zu handeln.