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Stimmen aus Äthiopien

Äthiopien befindet sich in der Verantwortung für seine verwaisten Kinder insgesamt in einer schwierigen Situation. Einerseits liegt ein unbestreitbarer Bedarf an Adoptionen ins Ausland vor, weil die Fürsorge für die große Zahl an verwaisten Kindern das Land überfordert. So konnte die internationale Adoption über lange Zeit hin uneingeschränkt als eine wirkliche Hilfe für die betroffenen Kinder und als Entlastung für die sozialen Sicherungssysteme betrachtet werden. Seit der rapiden Zunahme an Vermittlungen äthiopischer Kinder ins Ausland, der damit verbundenen Unübersichtlichkeit in der Arbeit ausländischer Agenturen und zahlreicher nationaler und internationaler Berichte über unethische Praktiken einzelner Organisationen werden allerdings in Äthiopien vermehrt kritische Stimmen laut, die vor der Gefahr warnen, Kinder könnten als Tauschware oder Exportgut betrachtet werden.

Die äthiopische Regierung, vor allem das zuständige Familienministerium, MOWA, hat auf die Berichte über Korruption und fehlende Verfahrenstransparenz mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. Dazu gehören die Schließung einzelner Waisenhäuser, Aussetzung von Adoptionen aus bestimmten Gegenden sowie Neuregelungen für den Betrieb von Transit-Homes. Gleichzeitig veränderte man das Gerichtsverfahren für Adoptionen ins Ausland. Derzeit werden auch zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Lage der Kinder in äthiopischen Heimen und in schwierigen Familienumständen innerhalb des Landes zu verbessern. Die Diskussion um die Legitimität Internationaler Adoption wird in Äthiopien genauso vehement (und mit ähnlichen Argumenten) geführt wie in Europa und in den USA. Die Rubrik “Stimmen aus Äthiopien“ stellt unterschiedliche Standpunkte dieser aktuellen Diskussion dar.