7 Todsünden


Um Kindern zu helfen und ihnen das Aufwachsen in geordneten und liebevollen Familien zu ermöglichen, werden im Verfahren von Auslandsadoptionen oftmals beide Augen zugedrückt. Dies ist aus der Situation der Adoptiveltern, die sich sehnlich ein Kind wünschen, verständlich. Im Hinblick auf Arbeitsweise von Adoptionsvermittlungsstellen werden damit jedoch professionelle und ethische Grenzen überschritten, die im weiteren Verlauf der Entwicklung des Kindes ernste Konsequenzen haben können. Adoptionsvermittlungsstellen müssen sich daran messen lassen, inwieweit sie sicherstellen, dass diese Grenzüberschreitungen verhindert werden, auch wenn es im Einzelfall zu schmerzlichen Entscheidungen führen kann. Die sieben Todsünden in der Auslandsadoption sind:

 



1. Das Fälschen des Alters der Kinder. Jüngere Kinder sind leichter zu vermitteln. In manchen Ländern bestehen Altersgrenzen zur Vermittlung ins Ausland. Heime und Vermittlungsstellen sind versucht, bei der Ermittlung des Alters von Kindern das angebliche Alter um mehrere Jahre nach unten zu korrigieren. Das hat ernste Konsequenzen für die Identität des Kindes und seine Schul- und Sozialentwicklung in Deutschland.

2. Das Verschweigen und Trennen von Geschwistern. Geschwister werden manchmal gemeinsam, oftmals aber auch getrennt vermittelt. Für Kinder kann eine Trennung von Geschwistern traumatisch sein. Ebenso traumatisch ist das Verschweigen von Geschwistern bzw. falsche Angaben über deren Verbleib.

3. Das Fälschen von Namen und Herkunft. Um die Herkunft besonders bei Kindern mit noch lebenden Eltern zu verschleiern, werden zum Beispiel aus Müttern Tanten und Namen werden im Gerichtsverfahren gefälscht. Das raubt den Kindern ihre Identität. Selbst kleine Kinder spüren den unehrlichen Umgang mit Verwandtschaftsverhältnissen.

4. Das Vortäuschen des Tods der Eltern. Für Kinder ist der Tod der Eltern ein massiver Einschnitt in ihr Leben. Das Vortäuschen des Tods der Eltern ist nicht nur grausam für das Kind, sondern auch eine Straftat.

5. Das Unterlassen von Ermittlungen im Falle von verlassenen Kindern. Gerade ältere Kinder werden auf öffentlichen Plätzen aufgegriffen, in ein Heim gebracht und ohne weitere Überprüfung in ein Adoptionsverfahren überführt, obwohl die Familien mit ein wenig Aufwand auffindbar wären. Dies verstößt sowohl gegen etablierte Prinzipien der Adoptionsverfahren als auch gegen Entscheidungsrechte der Eltern.

6. Das Verschweigen von Missbrauch durch die Familie oder im Heim. Kinder, die elternlos aufgegriffen werden, haben oft Missbrauchserfahrungen, die sie zum Weglaufen getrieben haben. Diese Missbrauchserfahrungen werden in den seltensten Fällen im Adoptionsverfahren thematisiert. Adoptionsbewerber und Adoptiveltern müssen umfassend über die Wahrscheinlichkeit und den Umfang von Missbrauch informiert werden.

7. Das Überreden von Eltern zur Aufgabe des Kindes. Kinderhandel ist die Freigabe von Kindern im Austausch mit finanziellen oder anderen Gegenleistungen. Hierher gehört auch die Vorspiegelung, das weggegebene Kind würde später für den Unterhalt der Ursprungsfamilie aufkommen. Kinderhandel ist wahrscheinlich, wenn Mitarbeiter von Vermittlungsstellen nach Fallzahlen bezahlt werden und aktiv in Familien gehen, um Kinder zu akquirieren.

 

Wenn Adoptiveltern von diesen Praktiken in ihren Adoptionsverfahren erfahren, sollten sie sie nicht akzeptieren, sondern im Interesse des Kindes dagegen protestieren. Adoptiveltern sind oftmals im Zwiespalt im Umgang mit der Geschichte ihrer Kinder, da sie weder die Kraft haben noch den Sinn von weiteren Konflikten sehen. Es besteht auch die Gefahr, dass im Gerichtsverfahren das Bekanntwerden solcher Vorfälle zur Zurückweisung der Anerkennung der Adoption führt. Es ist verständlich, dass niemand dieses Risiko eingehen will, aber es ist von zentraler Bedeutung, dass spätestens nach erfolgter Anerkennung eine Rückmeldung der Adoptiveltern an die Vermittlungsstellen erfolgt. Andernfalls müssen Eltern sich vorwerfen lassen, zu Komplizen unethischer Praktiken zu werden.