Elternlose Kinder in Äthiopien

Jedes Kind hat unabhängig von seiner Herkunft das Recht, in einer Familie und in seinem Herkunftsland aufzuwachsen. Wenn dort keine Möglichkeit besteht, eine familiäre oder familienähnliche Versorgung zu gewährleisten, kommt eine internationale Adoption in Frage.

Gerade aus Äthiopien wurden in den letzten Jahren immer mehr Kinder zur Adoption ins Ausland vermittelt und zahlreiche Bewerber in den USA, Europa und Australien warten aktuell auf Kindervorschläge.

Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie viele Kinder in Äthiopien elternlos bzw. dauerhaft in einer Heimunterbringung leben und durch eine Adoption ins Ausland eine Verbesserung ihrer gesamten Lebensumstände erfahren könnten. Ein Unicef-Bericht von 2006 schätzt 4,6 Millionen oder 13% der Kinder, aktuellere Zahlen sehen die Zahl 6 Millionen als erreicht an.

 

Die soziale Gesamtlage in Äthiopien beschreiben Hilfsorganisationen als fast ausweglos schwierig: In einer Agrarkultur, deren Bruttosozialprodukt zu 80% aus Landwirtschaft erwirtschaftet wird, treten in zyklischer Regelmäßigkeit infolge klimatischer Bedingungen immer wieder Missernten auf, welche die Abhängigkeit von Nahrungshilfslieferungen vergrößern. Die Mischung aus Armut, Unterentwicklung, Unterversorgung und Unterbeschäftigung führen dazu, dass die Lebenserwartung in Äthiopien im Schnitt um 30 Jahre niedriger ist als in den USA. Dies bietet nur sehr geringe Hoffnung auf schnelle Entwicklungschancen. Die nüchternen Daten der UN bestätigen dieses Bild: Das Bruttosozialprodukt, auf das Einkommen des einzelnen Bürgers umgerechnet (BSP pro Kopf) betrug im Jahr 2008 in Äthiopien 318,70 US-Dollar (zum Vergleich in Deutschland sind es 44.364 US – Dollar).

Aktuell erlaubt es diese Situation den bestehenden Familienverbänden nur bis zu einem gewissen Grad, für die zahlreichen verwaisten oder halbverwaisten Verwandten zu sorgen. Wo schon die gesundheitliche Versorgung und Ernährung von Kindern in der Kernfamilie kaum ohne ausländische Hilfe einigermaßen sicher gestellt werden kann, sind elternlose Kinder ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen als Hausmädchen, im Straßengeschäft oder als Landwirtschaftshelfer schutzlos ausgesetzt. Bei einem Einkommen von weniger als einem Dollar täglich, das 82 % der Bevölkerung im Durchschnitt durch Arbeit erzielen, und einer extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit ist ihre Perspektive für das Erwachsenleben mehr als bescheiden, zumal nur 60 % aller Kinder eine über die absolute Elementarbildung hinausgehende schulische Qualifikation vorweisen können.

Unter diesen Umständen erscheint die Vermittlung äthiopischer elternloser Kinder ins Ausland als eine vorteilhafte Lösung für alle Beteiligten. In den reichen Nationen gibt es erheblich mehr Menschen, die sich Kinder wünschen, als Kinder, die einen Bedarf an einer neuen Familie haben. Wenn also der allgemeine Grundsatz der Adoptionsvermittlung befolgt wird, dass Eltern für Kinder und nicht den Erwartungen bestimmter Eltern entsprechende Kinder gesucht werden, und für die betreffenden Kinder feststeht, dass sie tatsächlich ohne Chance auf eine familiäre Anbindung im Herkunftsland bleiben, gilt die Adoption als optimales Hilfsangebot.

Im Jahr 2009 wurden nach Auskunft des DHS Yearbook of Immigration von den amerikanischen Behörden 2.221 Waisenvisa erteilt. Davon waren knapp 40% oder 835 für Kinder unter einem Jahr. Weiter 850 waren zwischen einem und vier Jahren. Nur 536 waren älter als fünf. Nach Angaben von UNAIDS und UNICEF sind es aber gerade ältere Kinder, die verwaist sind und eine neue Familie suchen. Für Deutschland liegt eine entsprechende Statistik nicht vor.